Ordensleben

 

Das Ordensleben ist Frucht einer sehr langen geistlichen Tradition. Als die Wiege dessen, was wir mit dem allgemeinen Begriff "Ordensleben" bezeichnen, gilt die ägyptische Wüste. Dort entstand eine religiöse Bewegung und mit ihr die ersten Vorschriften für Mönchsgemeinschaften (Pachomius-Regel um 320/325). In weiterer Folge verfasste Basilius (ca. 330-379), Bischof von Caesarea, um 360 zwei Mönchsregeln (Basilius-Regeln).

Im Westen Europas trat die klösterliche Lebensform etwa um das Jahr 370 in Erscheinung und es sollte noch ca. 30 Jahre dauern, bis die erste abendländische Klosterregel geschrieben wurde: Um das Jahr 397 verfasste Augustinus seine Regel. Etwa 100 Jahre später schrieb Benedikt von Nursia (ca. 480 - ca. 547) seine Regel; dabei konnte er sowohl aus der östlichen als auch aus der westlichen Tradition schöpfen.

Das Ordensleben ist stets bestrebt, immer neu eine Verknüpfung seines reichen christlichen Erbes mit der Gegenwart herzustellen. Ordensleben bedeutet, engagiertes Christsein, in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu leben, in Einmütigkeit zusammen zu wohnen und mehr und mehr "ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott" (Regel 3,1 Kap 1,2) zu werden - eine Herausforderung und zugleich ein hoher Anspruch, dem es Tag für Tag aufs Neue zu entsprechen gilt; darin erblickt unser hl. Ordensvater Augustinus auch den maßgebenden Grund für die Entscheidung zu einem gemeinsamen Leben in klösterlicher Gemeinschaft.

 

 

Wofür Ordensleute leben

 

Du kannst dir nicht ein Leben lang die Türen alle offen halten,
um keine Chance zu verpassen.
Auch wer durch keine Tür geht und keinen Schritt nach vorne tut,
dem fallen Jahr für Jahr die Türen, eine nach der anderen, zu.
Wer selber leben will, der muss entscheiden:
Ja oder Nein – im Großen und im Kleinen.
Wer sich entscheidet, wertet, wählt und das bedeutet auch: Verzicht.
Denn jede Tür, durch die er geht, verschließt ihm viele andere.
Man darf nicht mogeln und so tun, als könne man beweisen,
was hinter jener Tür geschehen wird.
Ein jedes Ja – auch überdacht, geprüft –
ist zugleich Wagnis und verlangt ein Ziel.
Das aber ist die erste aller Fragen:
Wie heißt das Ziel, an dem ich messe Ja und Nein?
Und: Wofür will ich leben?

Paul Roth

 

Wir Ordenschristen haben uns entschieden, für Gott zu leben und unser Leben in den Dienst der Menschen zu stellen. Als Augustiner suchen wir diesen Weg in Gemeinschaft zu gehen, indem wir danach trachten, einmütig zusammen zu wohnen (Ps 68,7), "wie ein Herz und eine Seele (Apg 4,32) auf dem Weg zu Gott."

Daran erinnert und dazu ermahnt uns unser hl. Ordensvater Augustinus bei der Lesung seiner Ordensregel immer wieder gleich zu Beginn des ersten Kapitels, wenn er uns fragt: "... war das nicht der entscheidende Grund, weshalb ihr euch zum gemeinsamen Leben entschlossen habt?"

 

 

Erleben, wie Augustiner leben

 

Burschen ab 16 Jahren und Männer, die über ein Leben in einer Ordensgemeinschaft nachdenken und unsere Gemeinschaft und Lebensweise kennen lernen wollen, sind herzlich eingeladen, auf Zeit mit uns im Kloster zu leben und den Rhythmus von Gebet und Arbeit zu teilen. P. Dominic steht gerne für Anfragen zur Verfügung.

 

 

Wer kann Augustiner werden?

 

Am 9. April 2006 feierten wir Augustiner den 750. Geburtstag unseres Ordens. Und wir freuen uns sehr darüber, dass immer noch Menschen Interesse an unserer Lebensform zeigen und (junge) Männer sich mit der Frage auseinandersetzen, in unseren Orden einzutreten. Interessenten sind uns immer herzlich willkommen und eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir haben aber auch Erwartungen an mögliche neue Mitbrüder.

Wer sich von der augustinischen Lebensweise angesprochen fühlt und über den Eintritt in unsere Ordensgemeinschaft nachdenkt, soll - wie unser Ordensvater - vor allem zu einer tiefen und beständigen Gottsuche bereit sein. Denn Gott suchen heißt, ihn lieben, ihn zu verlassen aber heißt, verloren gehen (Soll. 1,3), schreibt Augustinus einmal. Zugleich muss er auf dem Fundament einer echten und gesunden Religiosität in der Lage sein, eine Gemeinschaftsfähigkeit zu entwickeln, die eine lebenslange Bindung an unsere Ordensgemeinschaft ermöglicht, und die Fähigkeit zu beten und zu arbeiten besitzen.
Der Interessent sollte Matura/Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung (z. B. für Brüder, die nicht Priester werden wollen) vorweisen können. Voraussetzung für den Ordenseintritt ist auch die notwendige Gesundheit.
Zum Ordensleben zugelassen kann jeder katholische Christ werden, der getauft, gefirmt und ledig ist, und der in der rechten Gesinnung und Absicht freiwillig um Aufnahme bittet.

Wer Augustiner werden will, durchläuft verschiedene Phasen der Erprobung im Ordensleben: Postulat, Noviziat, Juniorat.

 

 

Das Postulat

 

Das Postulat dauert mindestens drei Monate und längstens zwei Jahre. Nach der Zeit des ersten Kennenlernens (Kandidatur), lebt der Kandidat im Kloster, um die Mitbrüder und das augustinische Ordensleben besser kennen zu lernen. Zu Beginn des Postulats wird der Postulant mit dem Ordensgewand eingekleidet und erhält gegebenenfalls nach altem klösterlichen Brauch auch seinen Ordensnamen.
An das Postulat schließt das Noviziat an.

Die Zeit des Postulats kann in einem der Konvente des Augustiner-Vikariates Wien (Wien oder Zwiesel) verbracht werden.
Magister des Postulates ist P. Dominic Sadrawetz OSA.

 

 

Das Noviziat

 

An das Postulat schließt das zwölf Monate dauernde Noviziat an. Damit beginnt die Eingliederung des Kandidaten in unseren Orden. Das Noviziat endet mit der zeitlichen Profess.

 

Schwerpunkte und Inhalte des Noviziats

 

Wenn jemand Augustiner werden will und ins Noviziat eintritt, dann beginnt zwar ein neuer Lebensabschnitt für den Kandidaten/Novizen, dieser lässt sich aber nicht abtrennen von seiner bisherigen Lebensgeschichte.

Er bringt ins Kloster mit ein:

- seine Lebensgeschichte
- seine Lebenserfahrung
- seine bisher ausgebildeten Kompetenzen
- seine Möglichkeiten und Grenzen.

Im Kloster trifft er auf Menschen mit ihren je eigenen Lebensgeschichten, Lebenserfahrungen und den Kompetenzen, Möglichen und Grenzen. Zudem trifft er auf eine bereits viele Jahre bestehende Lebensgemeinschaft von Brüdern mit Gewohnheiten und Riten und einer gelebten augustinischen Spiritualität.

Aufgabe des Noviziats ist es, den Novizen Hilfestellung zu bieten, in dieser Gemeinschaft den eigenen Platz zu finden und in diese Lebensform als Augustiner hineinzuwachsen. Dies geschieht im konkreten Alltag mit der Reflexion der Erfahrungen und in der Vermittlung grundlegender Inhalte der augustinischen Lebensform.

 

Themenfelder im Noviziat sind deshalb:

1. Seinen Platz im Konvent finden und einnehmen

- Teilnahme am gemeinschaftlichen Leben und Mitgestaltung des Konventslebens
- Aufnahme von Kontakten zu den Brüdern
- Klärung von Beziehungen
- Übernahme von Aufgaben im Konvent

2. Einübung ins geistliche Leben

- Teilnahme an den gemeinsamen geistlichen Übungen (Stundengebet, Konventsmesse)
- Einführung in die Psalmen
- Pflege des persönlichen geistlichen Lebens (Gebet, Stille, Wüstentag, Leibarbeit)
- Gestaltung von Freizeit und Arbeit

3. Die drei Gelübde als Basis klösterlichen Lebens

4. Kennenlernen der Person des hl. Augustinus und seiner Spiritualität

- Augustinus und seine Lebensgeschichte
- Grundlinien in der Theologie und Spiritualität Augustins
- Augustins Regel vom gemeinschaftlichen Leben

5. Geschichte des Augustinerordens

6. Gestaltung von Beziehungen innerhalb und außerhalb des Konvents

- Umgang mit Freundschaften
- Teilnahme an Werkwochen mit Novizen anderer Orden
- Kennenlernen von einzelnen Praxisfeldern in der Provinz bzw. im Vikariat
- Einbringen von Begabungen und Fähigkeiten

 

 

Sprich zu meiner Seele: Ich bin dein Heil! Sprich so, dass ich höre!
Siehe, die Ohren meines Herzens sind vor dir, Herr, öffne sie und
sprich zu meiner Seele: Ich bin dein Heil!
Nachlaufen will ich hinter deiner Stimme und dich fassen.
Verbirg dein Angesicht nicht vor mir...
Eng ist das Haus meiner Seele, in das du kommen magst zu ihr:
mach du es weit!
Hl. Augustinus

 

 

Das Juniorat

 

An das Noviziatsjahr schließt die Zeit des Juniorats an. Dieses erstreckt sich über einen Zeitraum von drei und fünf Jahren, wobei der Mitbruder jährlich seine Ordensprofess jeweils für ein weiteres Jahr erneuert. Diese Zeit dient zum einen der Erprobung der eigenen Berufung; der Mitbruder mit zeitlicher Profess soll zu einer endgültigen Entscheidung über seinen Lebensweg finden und diesen Weg konsequent gehen lernen. Zum anderen dient diese Zeit der beruflichen Weiterbildung. Wer sich auf die Heiligen Weihen vorbereitet, nützt diese Zeit zum Studium der Philosophie und Theologie, oder auch für ein weiterführendes oder zweites Studium. Studienhaus unseres Augustiner-Vikariates Wien ist das Augustinerkloster St. Augustin in Wien I.

Durch die feierliche Profess, die das Juniorat formal beendet, bindet sich der Mitbruder lebenslang an unsere Ordensgemeinschaft; damit kommt die mit dem Noviziat begonnene Eingliederung in den Orden zu ihrem endgültigen Abschluss und er wird durch Adfiliierung Sohn unseres Augustiner-Vikariates Wien. Mit der feierlichen Profess verpflichtet sich der Mitbruder auch zum Stundengebet. Er ist nun volles Mitglied des Augustiner-Ordens.
Die lebenslange Fortbildung versteht sich von selbst.

 

 

Wenn Sie sich für ein Ordensleben in unserer Gemeinschaft interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf:

 

Augustiner-Vikariat Wien
P. Dominic Sadrawetz OSA
Ausbildungsleiter
Augustinerstraße 3
A 1010 Wien

 

T:   +43 [1] 5330947
F:   +43 [1] 5330947 250
E:   P. Dominic Sadrawetz OSA

 

 

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